Gynäkologische Praxis Dr. K. Klostermann
 

Info: Dyplasie

Wir beantworten gern Ihre Fragen rund um das Thema Dysplasie

 

Eine Dysplasie bezeichnet verschiedene atypische, aber noch reversible Veränderungen von Zellen in Gebärmutterhals, Muttermund, Scheide und äußeren Geschlechtsorganen. Aufgabe von Dysplasiesprechstunden ist es, durch zusätzliche intensivierte Untersuchungen auffällige Abstriche im Rahmen der Krebsvorsorgeuntersuchung zu differenzieren. Mittels modernster Instrumente und Techniken ist es heute möglich, auch geringste Zellveränderungen zu erkennen und sichtbar zu machen. Dabei unterscheidet man entzündliche Veränderungen, Krebsvorstufen (Dysplasien) oder frühen Stadien von Krebs. Diese müssen entweder fortlaufend kontrolliert oder behandelt werden. Im Vordergrund steht dabei für uns die notwendige Behandlung schonend – insbesondere bei bestehendem Kinderwunsch – zu gestalten und dennoch eine vollständige Heilung zu erreichen.

Wir sind auf die Abklärung, Beurteilung und Behandlung auffälliger kolposkopischer und zytologischer Befunde spezialisiert. Hierzu besitzen wir alle relevanten Zertifizierungen, insbesondere die Zertifizierung „Dysplasiesprechstunde“ der AG-CPC.

In der Dysplasiesprechstunde werden folgende Erkrankungen diagnostiziert bzw. differenziert:

  • Verschiedene Schweregrade der Dysplasien (Krebsvorstufen) des Gebärmutterhalses und Gebärmutterhalskanals, der Scheide und der Vulva
  • Warzen des weiblichen Genitale
  • Infektionen mit dem HPV-Virus
  • Vulvaerkrankungen

Wie erfolgt die Diagnostik?

Untersuchungen zu Abklärung auffälliger Befunde unterscheiden sich nicht wesentlich von einer normalen gynäkologischen Untersuchung. Sie sind weder schmerzhaft noch erfordern sie einen stationären Aufenthalt. Die Untersuchung sollte optimaler Weise außerhalb der Menstruation erfolgen. Da im Rahmen der Diagnostik konzentrierte Jodlösung verwendet wird, sollten Sie uns bei Bestehen einer Jodunverträglichkeit oder einer Schilddrüsenüberfunktion zu Beginn der Untersuchung darüber informieren.

 

Abstrich

Durch einen bakteriologischen Abstrich, dessen Anzucht und Auswertung im Labor erfolgt, oder ein sogenanntes Nativpräparat, welches sofort im Mikroskop ausgewertet wird, können wir entzündliche Prozesse wie bakterielle Infektionen oder Pilzerkrankungen der weiblichen Genitale diagnostizieren.

 

Kolposkopie

Um Veränderungen und Dysplasien – also Krebsvorstufen- zu diagnostizieren,  verbinden wir die gründliche Betrachtung des unteren weiblichen Genitale und des Gebärmutterhalses mittels 15-30 facher Lupenvergrößerung mit dem Auftragen von Essigsäure oder  der Schillerschen Jodprobe (erweiterte Koloskopie).

In den Schleimhautarealen, in denen Zellveränderungen vorhanden sind, löst die 5%ige Essigsäure ein Aufquellen aus. Je nach Ausprägung der Veränderungen werden so typische weißliche Verfärbungen sichtbar. In einem weiteren Schritt muss die Ausdehnung der Veränderungen im Gebärmutterhals oder auf den Gebärmutterhalskanal abgeschätzt werden. Hierfür kommt die Jodlösung zum Einsatz. Alle Befunde werden fotografiert um bei ggf. notwendigen Folgeuntersuchungen den Ort der Veränderung wiederzufinden.

Mittels Videokolposkopie können wir Ihnen auch kleinste Zellveränderungen noch während der Untersuchung zeigen und gemeinsam mit Ihnen auswerten.

Eine Differentialkolposkopie entscheidet dann über das weitere Vorgehen, Kontrolle oder Operation. In vielen Fällen kann durch eine sorgfältige Kolposkopie eine Operation am Gebärmutterhals (Konisation) verhindert werden, die in Deutschland noch viel zu häufig durchgeführt wird.

 

Biopsie

Um die Diagnose zu auffälligen Befunden zu sichern oder zu differenzieren ist in bestimmten Fällen eine so genannte Biopsie notwendig. Das ist eine Gewebeentnahme mit einer kleinen Zange. Da der Gebärmutterhals nahezu schmerzunempfindlich ist, verursacht die Knipsbiopsie meist keine oder nur minimale Schmerzen. Auf Wunsch führen wir die Biopsie jedoch gern unter örtlicher Betäubung durch. Hierfür fallen jedoch Kosten an.

Nach einer Biopsie sind geringe Schmierblutungen möglich, auf Vollbäder und Geschlechtsverkehr sollte während der nächsten 2-3 Tage verzichtet werden.

Das entnommene Gewebe wird histologisch untersucht. Nach Vorliegen aller Befunde kann über die notwendige Therapieform entschieden werden.

 

Humane Papillomviren (HPV)

Humane Papillomviren (HPV) sind meist harmlose Viren, die vorrangig Zellen der Haut und der Schleimhäute infizieren. Sie führen zu eher unkomplizierten Zellveränderungen wie Warzen an äußeren Genitalien, Hand, Fuß aber auch an Kehlkopf oder Gebärmutterhals. Andere Virustypen – sogenannte Hochrisikotypen- erhöhen jedoch das Risiko für Krebsvorstufen oder Krebs.

 

Welche Unterschiede gibt es in der Beurteilung von Dysplasien?

Dysplasien oder Krebsvorstufen werden in verschiedene Schweregrade unterteilt:

  • CIN I – Leichte Entartung der Zellen, heilt in den meisten Fällen von allein aus, Verlaufskontrollen sind notwendig
  • CIN II – Mittelschwere Entartung der Zellen, Ausheilung in Abhängigkeit der  Lokalisation möglich, Entscheidung über Verlaufskontrolle oder Therapie
  • CIN III – Schwere Zellentartung, heilt seltener aus und kann in Krebs übergehen, Therapie in Abhängigkeit von Lokalisation und Befunden innerhalb eines Jahres angeraten

 

Welche Therapieformen sind notwendig bzw. möglich?

Leider werden in Deutschland noch zu viele Befunde mit leichter und mittlerer Zervixdysplasie zu schnell und zu ausgedehnt operiert. Leichte (CIN I) und auch mäßige Dysplasien (CIN II) unterliegen einer hohen, spontanen Rückbildungs- oder Heilungsrate (Spontanregression/-remission). Daher fokussieren wir mikroinvasive, gewebeschonende Therapiemethoden, die gleichzeitig eine hohe diagnostische und therapeutische Sicherheit bieten. Jede Therapie wird den medizinischen Erfordernissen und natürlich den individuellen Wünschen der Patientin angepasst. Deshalb kann von den genannten Therapievorschlägen abgewichen werden, z.B. bei Kinderwunsch oder aber auch bei einem sehr großen Sicherheitsbedürfnis. Bei notwendiger operativer Behandlung erfolgt diese ambulant oder stationär in Kooperation mit externen Fachbereichen und der Universitätsklinik Leipzig.

 

Laserbehandlungen

Suspekte Areale und Warzen im Bereich der Vulva oder Vagina werden überwiegend durch eine Laserverdampfung therapiert. Die Laserbehandlung wird angewendet, da diese sehr effektiv ist, unschöne Narbenbildungen verhindert und eine sehr gute Wundheilung erreicht werden kann. Mit dieser Methode kann jedoch keine histologische Absicherung des Befundes oder des Erfolges der Behandlung erfolgen.

 

Hochfrequenzschlingenexzision

Die Schlingenresektion LEEP (Loop electrosurgical excision procedure) oder LLETZ (Large Loop Exzision of Transformation Zone) dient der  punktgenauen Entfernung der veränderten Areale. Mit einer elektrischen Schlinge(Hochfrequenz) wird genau die Schicht vom äußeren Muttermund abgetragen, in der sich die auffälligen Zellen (Dysplasien) befinden. Der Eingriff erfolgt ambulant in einer flachen Narkose und dauert etwa 10 Minuten und verursacht kaum Schmerzen oder Blutungen.

 

Messerkonisation

Klassische Konisation und Laserkonisation bezeichnen die Entfernung  eines kegelförmigen Stücks Gewebe bei fortgeschrittenen Veränderungen. Dabei wird mit dem Skalpell, der elektrischen Klinge oder dem Laser gearbeitet. Eine Konisation sollte nur bei nachgewiesenen schweren Dysplasie (CIN III/(Carcinoma in situ) oder bei sehr tief in den Gebärmutterhals reichenden Veränderungen vorgenommen werden. Diese Methode wird jedoch von der AG-CPC in den meisten Fällen nicht mehr empfohlen. Erfahrungen zeigen, dass Folgeschäden wie Vernarbungen im Gebärmutterhalskanal oder Frühgeburten nach einer Schlingenresektion in deutlich geringerem Maße auftreten.