Gynäkologische Praxis Dr. K. Klostermann
 

Sie sind (fast) schwanger? Herzlichen Glückwunsch!

Schwangerschaftsvorsorge – eine besondere Phase im Leben einer Frau bzw. eines Paares

 

Vor Ihnen liegen aufregende, für Sie und Ihre Familien sicherlich unvergessliche Monate. Diese werden mit vielen Freuden, aber vielleicht auch mit Unsicherheiten, Ängsten oder gar Sorgen verbunden sein. Wir möchten Sie in dieser Zeit begleiten, Ihre Fragen beantworten und Ihre Gesundheit sowie die Gesundheit und das Wachstum Ihres ungeborenen Kindes überwachen.

Frauen oder Paare, die schwanger werden möchten, sollten bereits drei bis vier Monate vor einer geplanten Schwangerschaft ein Beratungsgespräch führen. So kann abgeklärt werden, ob ein ausreichender Impfschutz gegen Röteln, Keuchhusten und Windpocken vorliegt oder auf das Kind übertragbare Infektionen bestehen. Zusätzlich halten wir eine Ernährungsberatung und gezielte Einnahme von Nahrungsergänzungen wie zum Beispiel Folsäure für sinnvoll. Folsäure ist ein Vitamin, welches für die Zellteilung wichtig ist und durch eine Einnahme bereits ca. 3 Monate vor der Empfängnis eine mögliche die Ausbildung von Spaltbildungen (Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, Wirbelsäulenspalten) weitestgehend verhindert.

 

Was sollten Sie im Vorfeld klären?

→ Besteht ein erhöhtes Schwangerschaftsrisiko durch zum Beispiel bestehende Krankheiten, genetische Auffälligkeiten in der Familie?

→ Gab es Komplikationen in vorausgegangenen Schwangerschaften bzw. bei Entbindungen?

→ Wie hoch ist Ihr Sicherheitsbedürfnis zum Ausschluss bestimmter Erkrankungen und Fehlbildungen?

→ Welche Untersuchungsrisiken nehmen Sie in Kauf?

→ Welche Konsequenz hätte ein auffälliger Befund?

→ Wo und wie möchten Sie gerne entbinden?

Die gesetzlichen Vorsorgeuntersuchungen sehen verschiedene Maßnahmen vor, die der Überwachung Ihrer Gesundheit und der ungestörten Entwicklung des Kindes dienen. Diese finden regulär zunächst alle 4 Wochen, in den letzten beiden Monaten alle 2 Wochen statt. Überprüft werden hier Blutdruck, Gewicht, mögliche Ödembildungen, Urinstatus und die Kindsbewegungen bzw. die fetale Herzfrequenz.

Darüber hinaus stehen eine Reihe zusätzlicher diagnostischer Untersuchungen zur Verfügung, die im Falle eines erhöhten Risikos vor oder während der Schwangerschaft oder auch auf Ihren Wunsch als sinnvolle Ergänzung genutzt werden können. Lassen Sie sich zu Beginn der Schwangerschaft in Bezug auf Ihren individuellen Nutzen und die anfallenden Kosten beraten. In bestimmten Fällen ist eventuell die Zusammenarbeit mit einer Spezialklinik sinnvoll.

Bei intakter Schwangerschaft, d.h. nachgewiesener Herzaktion, erhalten Sie einen Mutterpass, den Sie immer bei sich führen sollten. Hier werden Schwangerschaftsalter, Risiken, Ihr Gewicht, Blutdruck- und Laborwerte sowie die Ergebnisse der durchgeführten Untersuchungen festgehalten.

Eine wichtige Methode zur Beurteilung des Schwangerschaftsverlaufes ist der Ultraschall. Er ist ein modernes und nebenwirkungsfreies Verfahren zur Darstellung von Kind, Placenta (Mutterkuchen) und Gebärmutter und wird in fast jeder Praxis angeboten.

Wie viele Ultraschalluntersuchungen werden durchgeführt?
Die Mutterschaftsrichtlinie der gesetzlichen Krankenkasse sieht zur Vorsorge drei Ultraschall- Untersuchungen (oder auch Ultraschallscreenings) vor. Die erste Ultraschall-Untersuchung findet zwischen der neunten und zwölften Schwangerschaftswoche statt. In den meisten Fällen wird diese vaginal vorgenommen (Vaginalsonografie).

Zwischen der 19. und 23. Schwangerschaftswoche findet das zweite Ultraschallscreening statt, dass dritte zwischen der 29. und 32. Schwangerschaftswoche. Diese beiden Untersuchungen werden in der Regel abdominal – über die Bauchdecke der Frau – durchgeführt.

Ergeben sich bei einer der drei Ultraschalluntersuchungen Auffälligkeiten, werden weiterführende Ultraschalluntersuchungen und falls nötig eine Farbdopplersonografie (Blutflussuntersuchung) durchgeführt. Diese Untersuchungen werden von den Krankenkassen bezahlt.

Ein 3D/4D LIV3D/4D LIVE Ultraschall erlaubt darüber hinaus die dreidimensionale Darstellung des Kindes. Optimal sollte dieser in der 28.-34. Schwangerschaftswoche erfolgen, grundsätzlich ist diese Untersuchung aber zu jeder Zeit möglich. Es handelt sich hierbei um eine Wunschleistung – anfallende Kosten für Schall, CD-Rom oder Farbausdruck werden nicht von den Kassen getragen.

Die moderne Medizin hat verschiedenste Verfahren mögliche Anomalien der Chromosomen zu erkennen. Dabei unterscheidet man in nicht- invasive Methoden und invasive Methoden. Invasive Verfahren sind mit einem kleinen Eingriff verbunden und erhöhen so das Risiko für eine Fehlgeburt – wenn auch minimal.

Das First-Trimester-Screening (First-Trimester = erstes Drittel der Schwangerschaft) ist eine vergleichsweise kostengünstige und aussagekräftige Ultraschallanalyse. Der Test ermöglicht die Erkennung Down-Syndroms, (Trisomie 21) und aller anderen häufigen Chromosomen-Anomalien, wie zum Beispiel Trisomie 18, Trisomie 13 oder dem Turner-Syndrom mit einer 80-prozentigen Sicherheit.

Verbunden mit einer Blutuntersuchung wird die Wahrscheinlichkeit dieser Risikofeststellung um weitere zehn Prozent erhöht. Gemessen wird mit dem Ultraschall die Nackentransparenz oder Nackenfalte.

Besteht hier eine Wasseransammlung, die größer als 2,5 Millimeter ist, besteht in die Gefahr von Missbildungen. Mit dieser Methode kann ein erfahrener Arzt auch am Herzen, an Zwerchfell, Nieren, Rückenmark oder Extremitäten schwere angeborene Fehlbildungen entdecken beziehungsweise ausschließen. Auch Mehrlingsschwangerschaften lassen sich bei dieser Untersuchung sehr früh prognostisch einschätzen.

Die Kosten werden nicht von den Krankenkassen übernommen.

Beim sogenannten Triple-Test werden zwischen der 15. und 20. Schwangerschaftswoche drei Hormone im mütterlichen Blut gemessen, um daraus auf die Wahrscheinlichkeit von Chromosomenstörungen beim Kind zu schließen. Da der Triple-Test sehr umstritten ist, wird er heute nicht mehr routinemäßig durchgeführt.

Weisen diese Untersuchungen auf Fehlbildungen hin, können invasive Methoden Fruchtwasserpunktion (Amniozentese), Plazentapunktion (Chorionzotten-Biopsie), und Nabelschnurpunktion (Kordozentese) zur weiteren Diagnostik durchgeführt werden.

Bei einer Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese) werden die Chromosomen aus den fetalen Zellen im Fruchtwasser analysiert Sie kann ab der 15. und 16. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden, wenn die Schwangere älter als 35 Jahre ist, ein Genetischer Defekt bei den Eltern, Geschwistern oder anderen Verwandten vorliegt oder es bereits Hinweise auf kindliche Entwicklungsstörungen oder Fehlbildungen gibt.

An der ausgewählten Stelle wird eine dünne Nadel in die Bauchdecke und weiter in die Fruchtblase eingeführt und etwa 20 Milliliter Flüssigkeit abgesaugt. Die Untersuchung erfolgt unter permanenter Ultraschallsicht.

Dann raten wir zu einem Toxoplasmose-Test.

Toxoplasmose ist eine häufig auftretende Infektionskrankheit, die durch Katzenkot und den Verzehr von rohem oder halbgaren Fleisch (insb. Mett, Tartar etc.) auf den Menschen übertragen werden kann. Man geht davon aus, dass jeder Zweite in Mitteleuropa und den USA bis zu seinem 40. Lebensjahr mit Toxoplasmose in Berührung gekommen ist.

Die meisten Toxoplasma-Infektionen verlaufen unbemerkt und in etwa neun von zehn Fällen beschwerdefrei. Sofern keine Immunschwäche besteht, baut der Körper nach Erstkontakt eine lebenslange Immunität gegen Toxoplasmose auf. Eine Erst-Infektion in der Schwangerschaft kann jedoch schlimme Folgen für das ungeborene Kind haben.

Zeigt der Bluttest, dass Sie noch keine Berührung mit Toxoplasmose hatten, sollten Sie während der Schwangerschaft ein paar einfache Regeln beachten: eine gute Hygiene im Umgang mit Katzen bzw. deren Exkrementen, waschen Sie Obst gründlich und vermeiden Sie den Verzerr von rohem Fleisch oder Roh-Wurst.

Mehr Informationen zu Toxoplasmose erhalten Sie auf unseren Informationsseiten zum Thema Infektionen.

Zwei bis fünf von einhundert Frauen leiden an einer mehr oder weniger ausgeprägten Form des Schwangerschaftsdiabetes und müssen behandelt werden. Denn wenn auch selten, bedeutet ein Schwangerschaftsdiabetes erhöhtes Risiko für Mutter und Kind. Erhöhten Blutzucker, der über den Mutterkuchen zum Kind gelangt, verursacht ein unnatürliches hohes Geburtsgewicht verbunden mit einer Unterentwicklung der Organreifung.

Die entstehende Unterversorgung der Plazenta führt zu einer 3fach erhöhten Frühsterblichkeitsrate. Betroffene Kinder entwickeln nach Geburt Anpassungsstörungen, ein Atemnotsyndrom und neigen zu einer Neugeborenengelbsucht. Der Schwangerschaftsdiabetes verläuft zunächst symptomlos. Festgestellt werden kann er nur durch einen Blutzuckerbelastungstest.

Dieser erfolgt zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche. Diskutiert wird derzeit auch eine Auswirkung des Schwangerschaftsdiabetes auf eine spätere Entwicklung des Embryo. Es wird hier angenommen, dass die Erkrankungswahrscheinlichkeit an Diabetes Mellitus im Erwachsenenalter ansteigt.

Eine der häufigsten lebensbedrohlichen Erkrankungen des Neugeborenen ist Infektion mit B-Streptokokken. Bei 20 % aller Schwangeren befinden sich diese an sich harmlosen Bakterien unbemerkt in der Scheide. Bei der Geburt werden die Erreger dann auf das Neugeborene übertragen.

Durch einen Scheidenabstrich am Ende der Schwangerschaft lässt sich die Infektion erkennen. Während der Geburt verhindert dann die Gabe eines Antibiotikums eine Übertragung auf das Kind.

Nach neuesten kinderärztlichen Empfehlungen müssen Neugeborene ohne bekannten B-Streptokokken-Status der Mutter nach der Geburt für 72 Stunden überwacht werden.

Auch wenn viele Kliniken diesen Test bei geplanten Wassergeburten bereits als Geburtsvorbereitende Maßnahme verlangen, ist der B-Streptokokken-Abstrich keine Leistung der Gesetzlichen Krankenkasse.